Aus dem Lektorat

Als Pia im zarten Alter von elf verkündete, dass sie ein Buch schreiben wolle, entlockte mir das nur ein müdes Lächeln. Ach ja, mal wieder so eine spinnerte Idee. Doch sie verschwand dann abends regelmäßig für ein bis zwei Stunden in ihrem Zimmer, saß am Computer und schrieb. Ab und zu kam sie dann und las einen kleinen Ausschnitt vor.

Na ja, so schlecht hörte sich das gar nicht an. Ich empfahl ihr, doch die Rechtschreibprüfung einzuschalten, damit sie vielleicht auch noch etwas dabei lerne und nicht alle Fehler wieder und wieder mache.

Als das Manuskript dann fertig war und ich es durchlas, schlug ich ihr dringend vor, einen Lektor zu engagieren. Satzbau, Interpunktion und Rechtschreibung waren, um es vorsichtig auszudrücken, nicht immer druckfähig.

Es kam, wie es kommen musste, die Sache blieb an mir hängen.

Meine Korrektur des ersten Kapitels war eine Katastrophe. Pia war den Tränen nahe. Das wären nicht ihre Worte, so würde ein Kind niemals schreiben und überhaupt hätte ich die ganze Geschichte versaut.

Ok, man ist ja lernfähig. Ich ging also etwas behutsamer an die Sache heran und versuchte ihren Schreibstil und Wortschatz weitgehend zu erhalten, ohne allzu große Kompromisse mit dem Duden einzugehen. Die Korrekturen wurden im Originaltext gekennzeichnet und erst übernommen, nachdem sie von der Autorin abgenickt waren. Um einige Formulierungen wurde dabei zäh gerungen, und jeder von uns konnte den einen oder anderen Sieg davontragen.

Es ist ein Buch einer Elfjährigen für ihre Freunde geworden, so wie sie es sich vorgestellt hat. Wenn ich es so korrigiert hätte, wie ich es anfangs tat, wäre es nicht mehr ihr Buch gewesen, sondern meins. Und wer will das schon lesen.

Der Babba.

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